Hauptsache er steht - Warum wissen wir so wenig über PMS?

Hauptsache er steht - Warum wissen wir so wenig über PMS?

In unserem Gespräch mit den Gründerinnen von fembites hat uns Angelica darauf aufmerksam gemacht, dass fünfmal mehr über Erektionsstörungen geforscht wird als über PMS (Prämenstruelles Syndrom).

Auch wenn wir von der ungleichen Verteilung von Studien im medizinischen Bereich wissen, hat uns diese Zahl geschockt! Fünfmal höher?!?! WTF?!??!

Als PMS werden verschieden körperliche und psychichische Beschwerden bezeichnet, die bis zu zwei Wochen vor Einsetzen der Periode auftreten können. 

Die körperlichen Beschwerden zeigen sich beispielsweise in Spannungsgefühlen in den Brüsten und im Unterleib. Sie können aber auch als Kopf-, Rücken-, Gelenks- oder Muskelschmerzen auftreten und zu Schlaf- oder Verdauungsproblemen, Hautunreinheiten, Heißhunger sowie Wassereinlagerungen führen.

Die Symptome müssen aber nicht immer direkt verortbar sein, PMS führt auch dazu, dass sich Menstruierende vor ihrer Periode häufig erschöpft, unsicher, niedergeschlagen, lustlos, gereizt oder wütend fühlen. 

Alleine diese Aufzählung zeigt schon, dass PMS den Alltag stark einschränken kann. Bei einem starken PMS mit deutlichem Einfluss auf die Psyche – wie Depressivität und Angstgefühle – sprechen Fachleute von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS).

Übrigens circa 90 Prozent der Menstruierenden leiden unter PMS und bei bis zu 20 Prozent aller Menstruierenden gilt die Ausprägung bereits als „klinisch relevant“, sprich sie muss ernster genommen werden. Dennoch suchen nur ein Bruchteil der Betroffenen eine Ärzt:in auf. 

Aber warum ist das so? Liegt es vielleicht daran, dass es noch immer Mediziner:innen gibt, die an der Existenz des Phänomens zweifeln? Spielt das gesellschaftlich noch immer existente Bild der “hysterischen Frau” eine Rolle, dass nicht weiter befeuert werden soll? Oder liegt es an der bereits erwähnten Tatsache, dass die Forschung PMS nicht den gewünschten und benötigten Platz einräumt. 

Im Vergleich zum Forschungsstand bei Erektions- oder Potenzstörungen, die rund zehn bis fünfzehn Prozent der deutschen Bevölkerung betrifft, fällt die Antwort wohl recht deutlich aus. Die blaue Pille erscheint wohl einfach lukrativer als die Forschung an Beschwerden, die sich so vielfältig zeigen.

Und dennoch ist so enorm wichtig, diese Beschwerden ernst zu nehmen und PMS und deren Folgen auch in der Forschung den Platz einzuräumen, die sie benötigen, um gezielt und nachhaltig behandelt werden zu können. 

Aber was können wir dafür tun?

Wir können auf so starke Stimmen, wie die der beiden fembites-Gründerinnen hören. Wir können die Tabuisierung rund um PMS aufbrechen, offen über Beschwerden sprechen und diese auch an Ärzt:innen weitertragen. Nur wenn PMS auch in der Gesellschaft stärker wahrgenommen wird, werden Forschungen angestoßen und finanziert. 

Wenn ihr mehr zum Thema PMS erfahren wollt, legen wir euch den nachfolgenden Beitrag ans Herz. Hier erfahrt ihr nicht nur mehr zum aktuellen Forschungsstand, sondern findet auch Aussagen von Betroffenen und Fachleuten: refinery29.com

Weitere Quellen und Infos:

https://www.gesundheitsinformation.de/praemenstruelles-syndrom-pms.html

https://womenscarefl.com/de/health-library-item/6-habits-that-make-pms-suddenly-worse/

https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/gynaekologische-und-urologische-erkrankungen/praemenstruelles-syndrom-pms-nervige-tage-vor-den-tagen-2017314?tkcm=ab

 


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